Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Sonntags zum Bäcker?

In unserer Familie müssen mein Mann und ich voll arbeiten, wir haben wenig Zeit für unsere Kinder (7 und 9). Nur am Sonntag sitzen wir gemütlich zusammen am Frühstückstisch und genießen den Tag. Und dazu gehören für uns auch frische Brötchen vom Bäcker. Trotzdem gehe ich immer mit schlechtem Gewissen hin – es bedeutet ja, dass andere für unser Vergnügen arbeiten müssen. Was denken Sie?

Es wäre schön, wenn wir alle gemeinsam dem biblischen Schöpfungsbericht folgen könnten und eine fünf- (oder sechs-)Tage-Woche der Arbeit hätten und einen gemeinsamen sonntäglichen Ruhetag. Aber eigentlich gab es das noch nie. Irgendwelche Leute mussten auch sonntags immer schon arbeiten: Landwirte, Krankenpfleger, Ärztinnen, Feuerwehrleute, Wirte, Polizei usw. Gewisse Berufsgruppen werden schon immer auch an den Sonn- und Feiertagen gebraucht. Von ihrer Bereitschaft und ihrem Einsatz hängt das Funktionieren des Gemeinwohls ab. 

Wahr ist aber auch, dass sich aus wirtschaftlichen Gründen gewisse Bereiche immer mehr ins Wochenende ausdehnen und so auch immer mehr Menschen dann arbeiten müssen. Wenn Bäcker auch sonntags frische Waren anbieten, ist das praktisch, hat aber seinen Preis. Ich kenne einen Bäckermeister, der kennt in seinem eigenen Geschäft nur die Sieben-Tage-Woche. Seine Angestellten sind davon weitgehend verschont.

Ich könnte Ihnen jetzt raten, es einmal mit dem Aufbacken von Tiefkühlbrötchen zu probieren, was gar nicht so schlecht ist. Aber das Problem liegt tiefer. Sie haben natürlich recht, dass es nicht in Ordnung ist, sein Vergnügen auf Kosten anderer zu haben. Dennoch meine ich ganz realistisch, dass sich die Frage der Backwaren am Sonntag nicht mehr zurückdrehen lässt. Das ist Bestandteil unseres Lebens geworden. 

Aber ich scheue mich nicht, gegen jeden verkaufsoffenen Sonntag zu wettern, gegen alle weiteren Versuche, den Sonntag als Ruhetag aufzuweichen. Gegen verkaufsoffene Sonntage sollten wir uns stellen, denn wir wissen alle, wie gut so ein Ruhetag tut. Er wird nie alle betreffen können, aber er sollte vielen ein Anliegen sein. Wir als Christen sollten nicht vergessen, dass im biblischen Schöpfungsbericht nicht nur von einem Ruhetag die Rede ist, sondern auch von einem Tag, der ganz besonders Gott geweiht ist. Im täglichen Einerlei geht die spirituelle Seite unseres Lebens oft sehr schnell unter. Aber für diesen Aspekt unseres Seins sollten wir uns auch Zeit nehmen. 

Eine Plage unserer Zeit ist ganz sicher, dass viele Menschen Ruhe nicht mehr aushalten; alles muss Event sein, es muss immer etwas los sein. Ich glaube wirklich, dass das Brötchen am Sonntag nicht das Problem ist, sondern die Ruhe- und Rastlosigkeit einer Gesellschaft, die nicht zur Ruhe kommen will, weil sie sich dann selbst im Spiegel betrachten müsste.

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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