Ratgeber - Rat in der Glaubenspraxis

Stören Kinder in der Messe?

Wenn wir mit unseren drei kleinen Kindern am Sonntag die Messe besuchen, werden wir regelmäßig von anderen Besuchern gemaßregelt. Die Kinder seien zu laut und würden stören – dabei finde ich sie meistens ziemlich brav. Das verdirbt uns mittlerweile die Freude am Gottesdienst, weshalb wir immer seltener hingehen. Wie sollen wir mit der Situation umgehen?

Eigentlich ist Ihre Frage eine traurige Angelegenheit, aber ich weiß um die Aktualität und die Brisanz aus eigener Erfahrung. Unsere sonntäglichen Gottesdienste sind, auch wenn wir das nie thematisieren, naturgemäß sehr „gewagte Unternehmungen“. Warum? Weil sie absolut offen sind: Offen für alle, ob alt oder jung, ob liberal oder eher konservativ, ob flippig oder gesetzt, ob Familie, Single, Rentner oder wer auch immer. Gewagt ist daran, dass man bei dieser Unterschiedlichkeit kein schlüssiges „Konzept“ haben kann. Welche Bedürfnisse sollten im Blick sein?

Auch Liturgie sollte sich im besten Fall genau diese Fragen stellen! Manche Pfarreien haben deshalb sogenannte „Familiengottesdienste“ eingeführt. Diese sind normalerweise ganz auf die Kinder abgestimmt, was nach meiner Meinung als sonntäglicher Gottesdienst der Gemeinde auch nicht gerade der Idealfall ist. Der Gottesdienst der bestehenden Gemeinde ist seiner Natur nach ein „Familiengottesdienst“, weil alle Generationen vertreten sind. Und da dürfen auch Kinder ihren Platz haben, die nicht immer die Stille einhalten, die Erwachsene voraussetzen. Es gibt aber die Gottesdienstbesucher, die Ruhe und Andacht wollen und das nicht verstehen. Dennoch, es hat niemand das Recht, eine junge Familie mit Kindern zu maßregeln, weil die Kinder mal nicht so ruhig sind. Dieser Konflikt ist zunächst schwierig, aber er muss es nicht bleiben. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ein klärendes Gespräch viel bewirkt. Eine ganz lange Zeit hatte ich dieses Problem in einer Sonntagsmesse. Es gab viele Beschwerden.

Die Störungen waren heftig, obwohl mir selbst das nichts ausgemacht hat, weil ich froh bin, wenn junge Familien kommen. Das hat seinen Preis. Aber es ist schön, denn wenn Kinder nicht an Gottesdienste gewöhnt werden, finden sie den Weg in und zur Kirche nie. Und Liturgie ist eine Frage der Gewöhnung, des Erlernens und des Mittuns. Das ist nicht „cool“, das ist sogar gegen jeden „mainstream“, aber es ist die Realität, die Kirchlichkeit in der Form, wie wir sie kennen, ausmacht. Genau deshalb muss eine Gemeinde das „aushalten“. Kinder sind junge Christen, die einüben müssen, was einen Gottesdienst ausmacht und wie er gefeiert wird. Das ist ein Lernprozess, den eine Gemeinde mittragen muss. Und letztlich sollte sich der Pfarrer auch dazu äußern und eingefahrene, alte und im „Guten verharrte“ 

Gemeindemitglieder darauf hinweisen, dass es schließlich auch um die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaften geht. Wenn wir da schon murren, was soll da noch kommen? Ganz ehrlich: Ich finde es anregend, wenn ein kleiner Schreihals sich in meine Predigt einmischt. Aus dem Konzept bringt er mich nicht, aber er spornt mich an! Und manchmal nährt er meine Demut, dass ich die Wahrheit auch nicht mit dem Schaumlöffel gefressen habe, weil die Leute ihm mehr zuhören als mir! Sprechen Sie mit Ihrem Pfarrer. Er hat die Möglichkeit, dies zu einem Thema zu machen. Das sollte er tun, wenn ihm seine Gemeinde am Herzen liegt.

November 2016

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Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

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