Ratgeber - Lebens- und Familienberatung

"Meine Tochter kann mir nicht verzeihen"

Rückblickend habe ich im Umgang mit meinen Kindern früher vieles falsch gemacht. Meine Tochter kann mir das nicht verzeihen, auch wenn ich sie oft darum gebeten habe. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn sie mir immer weiter Vorwürfe macht.

Oft ist es ein tiefer Schmerz zu erleben, dass eigene Fehler erkannt sind, aber das Gegenüber nicht zur Vergebung bereit ist.

Wir können niemanden zwingen zu vergeben, Vergebung kann man – von keiner Seite her – machen. Wir können nur darum bitten, mehr nicht. Liedermacher Wolfgang Tost fasst es ins Wort: „Wenn dein Hoffen hoffnungslos ist, wenn dein Sehnen Sehnsucht bleibt … Mach aus Sorgen ein Gebet.“

Aber: Können Sie sich eigentlich selbst verzeihen? Neben der Bitte um Vergebung braucht ein Mensch, der einen Fehler begangen hat, auch den festen Entschluss, sich selbst verzeihen zu wollen. Die Erfahrung von Schuldigsein kann Körper und Seele krank machen. Umgekehrt bergen Vergebung und Verzeihenkönnen etwas Befreiendes, ja Heilendes in sich. Dass wir schuldig werden, gehört ebenso wie die tiefe Sehnsucht nach Vergebung zu den menschlichen Grunderfahrungen. Und wir als Christen können uns in diesen verfahrenen Situationen direkt an Gott wenden: „... und vergib uns unsere Schuld …“

Juli 2020

Kommentare (1)

  • Christine
    Christine
    am 27.08.2020
    Ohne zu wissen - oder es wissen zu wollen - was genau Sie falsch gemacht haben oder glauben, falsch gemacht zu haben - würde ich Ihnen Folgendes ans Herz legen: Bitten Sie Ihre Tochter vorerst nicht mehr um Verzeihung, sondern tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, um die Welt ein Stück besser zu machen. Nehmen Sie dafür Ihre eigenen Fehler der Vergangenheit als Ausgangspunkt. Ich möchte Ihnen als Beispiel eine Begebenheit aus meinem Leben kurz erzählen:

    Als sehr gute Schülerin hatte ich es in meiner Schulzeit - wie so viele andere "Streber" auch - nicht immer leicht mit meinen Mitschülern. Ich ging trotzdem meinen Weg unbeirrt weiter und ließ die "Mobber" schnell hinter mir. Eine Entschuldigung für das Fehlverhalten mancher Mitschüler damals habe ich nie erwartet und erwarte ich auch bis heute nicht.
    Als ich schon einige Jahre im Berufsleben war, traf ich durch Zufall einen Mann, der sich selbst ungeheure Vorwürfe machte, weil er vor Jahren einen Mitschüler gehänselt hatte. Er hatte aber seither nie eine Gelegenheit bekommen, sich bei diesem Schüler zu entschuldigen. Kaum hatte er gehört, dass ich ein ehemaliges "Streberlein" war, fragte er: "Bist du auch manchmal gehänselt worden?" - "Ja." sagte ich. Und daraufhin entschuldigte sich der Mann bei mir, stellvertretend für viele andere. Sie glauben gar nicht, was für eine große Erleichterung das für mich war!

    Dieser Mann hat also, von seinen eigenen Fehlern ausgehend, sein Bestes gegeben, um die Welt ein Stück besser zu machen.

    Vielleicht finden Sie einen Weg, dies auch auf Ihre Art zu tun. Ich bin mir sicher, mit der Zeit wird Ihre Tochter davon erfahren und Ihnen eines Tages auch verzeihen können!

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Schwester Dorothee Laufenberg SSpS

Theologin, Juristin und Mediatorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach für Stress und Burnout-Prävention

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