Ratgeber - Pastoralpsychologie

Nicht kirchlich heiraten, aber kirchlich segnen lassen?

Was denken Sie über Partner, die nicht kirchlich heiraten können, weil ein Partner geschieden ist, sich aber kirchlich segnen lassen? Wie kann Gott segnen, was nicht rechtens ist?

Zunächst denke ich, dass es gut ist, dass Menschen, egal in welcher Situation sie sich befinden, Gott und der Kirche nicht den Rücken kehren. Die Gründe, warum sich Menschen scheiden lassen, die sich einmal auf den gemeinsamen Weg der Ehe gemacht haben in der Absicht, ein Leben lang miteinander und füreinander da zu sein und gemeinsam glücklich zu werden, sind mannigfaltig.

Ehescheidungen bringen in den meisten Fällen für alle Beteiligten viel Leid mit sich und stürzen sie in eine oftmals lebenslange Krise. Gerade sie brauchen Hilfe und Unterstützung. Als Kirche sind wir gefordert, für diese Menschen da zu sein, mit ihnen im Gespräch zu bleiben und ihnen beizustehen, wo wir können.

Bei der Frage: „Wie kann Gott segnen, was nicht rechtens ist?“ hüte ich mich davor, Betroffene auszugrenzen oder gar zu verurteilen. Zugegeben: Oftmals fällt es uns schwer, mit diesem Thema umzugehen. Dennoch frage ich mich in solchen Situationen, was Jesus tun würde. Auch er hat vieles getan, was in den Augen „der Frommen“ nicht rechtens war. Aber er tat es, um Menschen auf ihrem Weg zu helfen, ihnen eine neue Chance zu geben, Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Er hat Menschen, die Unterstützung brauchten, nicht ausgegrenzt, im Gegenteil: Er hat sich ihnen zugewandt. Jesu Einstellung diesbezüglich lesen wir in Lk  5,31–32: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte, sondern Sünder zur Umkehr zu rufen.“

Wenn Geschiedene also als Menschen beurteilt werden, die etwas getan haben, was nicht rechtens ist, dann benötigen ausgerechnet sie, so sagt uns Jesus, die Nähe Gottes, seinen Segen, eine Benediktion, will sagen: „ein gutes Wort“.

Dezember 2019

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Pater Peter Claver Narh SVD

Doktor der Pastoralpsychologie und Experte für Supervision und Beratung, Begleiter der Neumissionare in der deutschen Provinz

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