Ratgeber - Psychologin

Gibt es mehr Gewalt in der Gesellschaft?

Mein Eindruck ist, dass unsere Gesellschaft immer aggressiver wird. Junge Männer gehen mit Messern in die Stadt, und in den Kommentarspalten herrscht ein schlimmer Umgangston. Ich frage mich, woher das kommt und was man dagegen tun kann?

Ich bin sicher, dass Ihnen viele stadtgottes-Leserinnen und -Leser zustimmen werden! Viele von uns nehmen mit Besorgnis wahr, dass die Gewalt in unserer Gesellschaft zunimmt. Oder anders ausgedrückt: dass die Hemmschwelle, andere verbal oder körperlich zu verletzen, gesunken ist. Manchmal mag das aus einem Impuls heraus geschehen, ohne, dass die Person darüber nachdenkt und sich bewusst dafür entscheidet. Und dann mag es auch Menschen geben, die den Einsatz von Gewalt für legitim halten. Frei nach dem Motto: „So macht man das eben heute.“

Dass andere Gewalt anwenden, ist keine Entschuldigung, es auch selbst zu tun. Aber so oder ähnlich kann der Verstand tatsächlich argumentieren, wenn man keine Verantwortung für die eigenen Handlungen übernehmen möchte. Viele Soziologen und Psychologen haben sich bereits mit der Frage beschäftigt, woher die größere Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft kommt. Verschiedene Hypothesen sind dazu in Umlauf. Zum Beispiel, dass wir in den Medien immer mehr mit Gewalt konfrontiert werden und dadurch viele Negativbeispiele vor Augen haben. Oder dass wir in einer sogenannten Ellbogengesellschaft leben, in der nur weiterkommt, wer sich behaupten kann. Manche glauben auch, dass die höhere Gewaltbereitschaft vor allem auf die wachsende soziale Ungleichheit zurückzuführen ist.

Wer am kürzeren Ende steht, fühlt sich als Versager – und muss mit der Wut darüber irgendwo hin. Fest steht: Wir können diese Entwicklung nicht losgelöst von anderen Entwicklungen in unserer Gesellschaft sehen. Darum ist es auch notwendig, auf gesellschaftlicher Ebene die Wurzeln des Problems anzugehen. Darüber hinaus können wir auch auf persönlicher Ebene etwas tun: Zivilcourage stärken zum Beispiel. Den Mut haben, Einhalt zu gebieten, wo Menschen verbal oder körperlich Grenzen überschreiten. Als Christen haben wir da einen besonderen Leitsatz: Selig sind, die Frieden stiften.

November 2018

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Schwester Michaela Leifgen SSpS

Psychologin (Lic.), Psychologische Begleitung von Menschen im Dienst der Kirche

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