Ratgeber - Psychologin

Meine Enkelin, 14, ist immer allein

Ich mache mir Sorgen um meine Enkelin, 14. Sie ist die älteste von drei Mädchen, und es fällt ihr schwer, Freunde zu finden. Ihre Schwestern sind fröhlich und haben immer sehr viele Kinder um sich herum, aber sie tut sich schwer, auf andere zuzugehen. In ihrer Klasse ist sie ziemlich allein. Ihre Eltern interessieren sich nicht sehr für das Problem – kann ich als Oma helfen?

Es ist verständlich, dass Sie sich um Ihre Enkelin sorgen. Welche Oma wünscht sich nicht, dass ihre Enkelkinder Freunde haben und fröhlich sind? Tatsächlich ist es aber keine Seltenheit, dass Kinder bzw. Jugendliche schüchtern sind und sich schwertun, Kontakte zu schließen. Wenn die Geschwister hingegen lebhaft sind, fällt das besonders auf und ist noch mal schmerzlicher. Schüchternheit kann unterschiedliche Gründe habe. 

Nicht selten ist Schüchternheit eine Veranlagung. Solche Menschen sind einfach vom Temperament her ruhiger und werden es ein Stück weit auch immer bleiben. Es kann jedoch auch sein, dass die Schüchternheit einen ganz konkreten Auslöser hat: Schulwechsel, Umzug, Stress … Solche Krisenmomente können überfordern und einen Rückzug zur Folge haben. Kontakte mit anderen Menschen sind dann mit Angst besetzt, nämlich der Angst, abgelehnt zu werden oder sich zu blamieren.

Welche Gründe auch immer die Zurückhaltung Ihrer Enkelin haben mag, hilfreich ist, ihr nicht das Gefühl zu geben, dass etwas mit ihr nicht stimmt oder Sie sich wünschen würden, sie wäre anders. Das löst nur Druck aus und verringert das Selbstbewusstsein. Gerade das Selbstbewusstsein gilt es allerdings zu stärken. Sie können das zum Beispiel tun, indem Sie Ihrer Enkelin zeigen, dass Sie sie mögen – so wie sie ist. Versuchen Sie, sie nicht mit ihren Schwestern zu vergleichen, sondern als eigenständige Person wahrzunehmen. Schauen Sie auf sie in ihrer Einzigartigkeit und spiegeln Sie ihr wider, was Sie da sehen.

Wenn die Beziehung es zulässt, können Sie auch mit Ihrer Enkelin darüber sprechen, wie es ihr selbst damit geht, dass sie schwer auf andere zugehen kann. Mit echtem Interesse, einem zuhörenden Ohr und Verständnis können Sie Ihre Enkelin emotional unterstützen. So wird sie spüren, dass sie Ihnen wertvoll ist und dass es Ihnen nicht egal ist, wie es ihr geht. Vielleicht ergeben sich auch Gelegenheiten, in denen Sie Ihre Enkelin ermutigen können, mehr aus sich herauszugehen, einen Sportverein oder eine Jugendgruppe zu besuchen. Oder Sie können sie in ein Gespräch oder eine Aktion ein­beziehen. Und: Wo auch immer ihr etwas gelingt, tut ein Lob sicher gut.

Oktober 2017

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Schwester Michaela Leifgen SSpS

Psychologin (Lic.), Psychologische Begleitung von Menschen im Dienst der Kirche

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