Ratgeber - Psychologin

Nur das Smartphone ist interessant

Bei Familienfesten beobachte ich immer häufiger, dass die jungen Gäste nicht miteinander reden, sondern stur auf ihr Handy starren. Selbst bei einem Kindergeburtstag haben zwei Elfjährige bei nichts mitgemacht, sondern sich nur für ihr Smartphone interessiert. Was ist mit unserer Jugend los?

Was Sie beim Familienfest und Kindergeburtstag erleben, das ist auch ein vertrautes Bild in der U-Bahn oder im Wartezimmer geworden: Kinder wie auch Erwachsene beschäftigen sich eher mit ihrem Handy als mit ihrem Umfeld. Statistiken behaupten, dass in den letzten zehn Jahren die Anzahl der Smartphonenutzer fast um das Zehnfache gestiegen ist. In diesem Jahr soll es 57 Millionen Menschen in Deutschland geben, die ein Smartphone benutzen. Unter den Jugendlichen ist das Smartphone besonders beliebt: rund 90 Prozent nennen ein Smartphone ihr Eigen. Mit anderen Worten: Das Smartphone ist ein normaler Bestandteil im Leben vor allem junger Menschen geworden. So weit die Statistik.

Das Smartphone kann viel: Es ist Informationsquelle, Kommunikationsmittel und Unterhaltungsgegenstand in einem. Wie jede technische Errungenschaft bringt es Chancen und Gefahren mit sich. Es verlangt auch einen verantwortlichen Umgang. Denn in sich ist das Smartphone weder so gut und unverzichtbar wie seine Fans behaupten, noch so schlecht und überflüssig wie seine Gegner meinen. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Und der richtige Umgang damit auch. Weder ein totales Handyverbot noch ein gleichgültiges Schulterzucken helfen unseren Jugendlichen, einen verantwortlichen Umgang mit dem Handy zu erlernen.

Was stattdessen helfen kann: klare, gemeinsam getroffene Absprachen, wann, wie lange und wofür das Smartphone in einer bestimmten Situation genutzt werden kann. Das ist besonders effektiv, wenn die Jugendlichen wissen, warum es sich lohnt, das Handy auch mal zur Seite zu legen. Sorgen Sie dafür, dass die jungen Leute fürchten, im realen Leben etwas zu verpassen, wenn sie nicht vom Bildschirm hochgucken können. Ein anderer, nicht zu unterschätzender Faktor: Als Erwachsener ein authentisches Vorbild sein und das eigene Handy ebenso konsequent in der Tasche lassen.

September 2018

Kommentare (1)

  • Gaby Bessen
    Gaby Bessen
    am 08.09.2018
    "Als Erwachsener ein authentisches Vorbild sein und das eigene Handy ebenso konsequent in der Tasche lassen."

    Das wäre ein ganz wichtiger Schritt, als Erwachsener seine Vorbildfunktion wahrzunehmen, doch ganz selten gelingt das gerade denen, die in der Verantwortung und Erziehungspflicht stehen, ob das Eltern, Erzieher und Lehrer sind.

Neuen Kommentar schreiben

Schwester Michaela Leifgen SSpS

Psychologin (Lic.), Psychologische Begleitung von Menschen im Dienst der Kirche

Schreiben Sie Schwester Michaela Leifgen

stadtgottes, Ratgeber
Postfach 24 60
41311 Nettetal, Deutschland

Oder schicken Sie eine Nachricht

Rat in der Glaubenspraxis

Pater Fabian Conrad

Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel, Missionssekretär der Deutschen Provinz

Theologischer Experte

Pater Michael Kreuzer SVD

Magister der Theologie, war die letzten Jahre als Kaplan in Wien tätig, derzeit in der Bibelpastoral und als seelsorglicher Begleiter

Theologischer Experte

Pater Thomas Heck

Bibliolog- und Bibliodramaleiter, Seelsorger für Cursillo, tätig in der Erwachsenenbildung und seelsorglicher Begleitung