Ratgeber - Seelsorge

Ist das Alte Testament noch zeitgemäß?

Im Gottesdienst wird oft aus dem Alten Testament vorgelesen. Die Geschichten erscheinen mir fremd, ich finde keinen Bezug zu meinem heutigen Leben. Was kann uns das Alte Testament heute noch sagen?

Warum ist das Alte Testament für uns heute noch wichtig? Jesus und die Autoren des Neuen Testamentes brauchen das Alte Testament. Jesus war Jude, er hatte das Alte Testament intus. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Für die Evangelisten ist klar, dass Jesus die Schriften der Juden zitiert. Zum Beispiel zitiert Jesus in der programmatischen Rede in der Synagoge von Nazaret (Lk 4) den Propheten Jesaja und erklärt, dass sich diese Prophetie in ihm erfüllt, was zu einem gewaltigen Eklat führt.

Jesus verweist immer wieder auf das Alte Testament. Teilweise radikalisiert, teilweise relativiert Jesus gängige ethische Vorstellungen. Die Bergpredigt Jesu verschärft stellenweise die Thora, etwa wenn es ums Töten, um den Ehebruch oder das Schwören geht. Teilweise entschärft Jesus aber auch die Thora, besonders in Bezug auf rituelle Gebote wie Reinheitsvorschriften, Opfer-, Sabbat- oder das Zehntgebot. Was Jesus meint, versteht nur, wer weiß, wie es bisher in den alten Schriften gemeint war. Wer Jesus verstehen möchte, braucht das Alte Testament. Es ist nämlich die Heimat, aus der Christus kommt. Und auch die Heimat, aus der heraus er seine Sendung versteht. Das Neue Testament ist aus dem Geist des Alten Testaments heraus geschrieben. Man schneidet seine Wurzeln ab, wenn man das nicht bedenkt und nicht beachtet. Der hl. Augustinus schreibt: „Novum Testamentum in Vetere latet, et in Novo Vetus patet.“ Das heißt übersetzt: „Das Neue Testament liegt im Alten verborgen, das Alte wird im Neuen aufgedeckt.“ 

Natürlich gibt es im Alten Testament Stellen, die uns heute wenig sagen. Ich denke da etwa an die Reinheitsgesetze im Buch Levitikus. Wenn wir aber die Psalmen lesen, können wir uns in vielen von ihnen wiederfinden. Der Beter lobt, preist und dankt Gott, klagt ihm seine Sorgen und Ängste. Er hadert auch mit ihm.

September 2017

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Pater Elmar Pitterle SVD

Magister der Theologie, war 25 Jahre als Missionar in Chile im Einsatz. Jetzt tätig als Pfarrer und seelsorglicher Begleiter. Mitarbeiter der ,,Gesprächsinsel“ Wien

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