Ratgeber - Seelsorge

Mein Baby ist tot. Wie kann Gott das zulassen?

Viele Jahre haben mein Mann und ich versucht, ein Kind zu bekommen. Als wir schon fast nicht mehr daran geglaubt haben, hat es geklappt. Wir waren so glücklich. Nun bin ich im sechsten Monat schwanger und habe vor einigen Tagen erfahren, dass mein Baby tot ist. Tot im Bauch. Warum nur? Wie kann Gott so etwas zulassen? Wo finde ich Trost?

Ich kann die unendliche Enttäuschung und den Schock, den diese Mitteilung für Sie bedeutet haben muss, nicht wirklich ermessen. Ich möchte mich verneigen vor dem viel zu früh sich verabschiedet habenden Leben. Ich möchte mich aber auch verneigen vor Ihrem Glauben. Für manch eine wäre es sicher Grund genug, den Glauben an einen guten Gott oder an Gott überhaupt über Bord zu werfen. Sie bleiben an ihm dran und stellen die Frage nach dem Warum. Ich kann Sie nur dazu ermutigen, den Schmerz, den Sie angesichts dieser Situation spüren, „zur Welt zu bringen“, das heißt, wirklich in Worte zu fassen, auch mit Tränen und Schreien. Zeigen Sie Gott Ihre Fassungslosigkeit und Enttäuschung. Vielleicht kann Ihnen Psalm 77 dabei eine Hilfe sein: „Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört ... Denke ich an Gott, muss ich seufzen ... Wird der Herr mich denn auf ewig verstoßen und mir niemals mehr gnädig sein?“

Haben Sie den Mut, auf diese Weise zu klagen; solange, wie es für Sie gut ist. Danach bitten Sie Gott dann um Klarheit. Beten Sie, dass er Ihnen zeigen soll, wie es weitergehen kann. Es kann sein, dass Sie von innen her eine Idee empfangen, versuchen Sie, sie aufzunehmen. Es kann sein, dass es eine Zeit braucht, um hinzuhorchen oder hinzuspüren auf das, was er Ihnen im Stillen zeigen möchte. Stärken Sie Ihr Vertrauen darauf, dass Gott ganz konkret einen Plan mit Ihnen hat.

Für das Konkrete empfehle ich Ihnen als erste Anlaufstelle Ihre Hebamme und den Gynäkologen, die in der Regel Adressen und Kontaktstellen kennen, an die Sie sich wenden können. Dann finden Sie Unterstützung bei Selbsthilfegruppen wie „Verwaiste Eltern“ (z. B. veid.de) oder „Sternenkinder“ (z. B. sternenkinder-eltern.de), die bundesweit aufgestellt sind. Wichtig ist, dass Sie nicht alleine bleiben mit Ihrem Schmerz. Haben Sie den Mut, sich mit dieser Leiderfahrung mit anderen, die Ähnliches erlebt haben, zu verbinden. Das wird Sie auf Ihrem Weg stärken und kann neue Perspektiven eröffnen.

Februar 2018

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Pater Elmar Pitterle SVD

Magister der Theologie, war 25 Jahre als Missionar in Chile im Einsatz. Jetzt tätig als Pfarrer und seelsorglicher Begleiter. Mitarbeiter der ,,Gesprächsinsel“ Wien

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