Ratgeber - Seelsorge

Sollen wir Gott loben?

Ist denn das Loben Gottes für uns Menschen von heute noch von Bedeutung? Klingt das nicht alles zu pathetisch? Braucht es diesen Teil des Betens, oder wirkt es eher verpflichtend, übertrieben und standardisiert? Was meinen Sie?

Das Buch der Psalmen ist das Lebens- und Glaubensbuch des Gottesvolkes, das mitten in Leid und Angst eine umfassende, Hoffnung stiftende Deutung des menschlichen Lebens im Angesicht Gottes geben will.

Die Christen machen sich seine Texte Tag für Tag zu eigen und erinnern sich dadurch beständig an ihre Verbundenheit mit dem Gottesvolk Israel. Jesus selbst hat vielfach auf den Psalter zurückgegriffen. Wenn ich die Psalmen bete, dann weiß ich mich im Glaubensstrom so vieler Menschen, die diese Psalmen im Laufe vieler Jahrhunderte gebetet haben und noch immer beten. Sie fragen, ob das Loben Gottes für uns Menschen von heute noch von Bedeutung ist. Für Menschen, die in Beziehung zu Gott treten oder diese Beziehung kultivieren wollen, ist das Lob Gottes sehr wohl von Bedeutung, es ist schlicht und einfach unerlässlich. Was das Loben Gottes betrifft, so kann ich das natürlich auch „frei“ tun, eigene Bilder gebrauchen. Ich muss nicht (immer) auf vorgeformte Gebete zurückgreifen.

Lob Gottes hat mit Anerkennung Gottes zu tun. Er ist unser Gott, Schöpfer, der sich in Jesus auf uns Menschen eingelassen hat. Gottes Liebe zu uns ist Liebe ohne Widerruf, das heißt: Gott zieht seine Liebe nie mehr zurück. Das ist eine beglückende Botschaft, die uns tragen  und öffnen kann für das Lob Gottes. Loben werde ich Gott dann, wenn ich dankbar bin und staunen kann. Wenn ich alles, was mir an Gutem widerfährt, für selbstverständlich nehme, werde ich stumm bleiben.

Ausdruck der geistigen Armut unserer Zeit ist, dass die Menschen danach gieren, immer mehr zu haben. Das raubt den inneren Frieden. Gott loben bedeutet: sich bewusst zu werden, was wir alles schon erhalten haben, sich bewusst zu werden, dass das Leben in jedem Moment ein Geschenk ist. Ich würde sagen, dass das Lobgebet das Gebet schlechthin ist. Wenn ich Gott lobe, erkenne ich an, dass ich sein Geschöpf und damit von ihm abhängig bin. Aber es ist eine lebensspendende Abhängigkeit.

„Preise den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Ps 103,2). Ich kann Ihnen den wunderbaren Psalm 103 nur empfehlen, ebenso den Psalm 150, der so endet: „Alles, was atmet, lobe den Herrn. Halleluja!“ Was aber bedeutet es, Gott zu loben? Nun, dieses Lob ist freudiger, zweckfreier Ausdruck von Dankbarkeit als Antwort auf die Erfahrung, dass es ihn gibt. Gott ist nicht auf unser Lob angewiesen. Wir brauchen ihn nicht wohlwollend zu stimmen. Doch das Lob Gottes tut uns selber gut. Wer Gott zu loben weiß, der sieht die Welt und die Menschen in einem anderen Licht, der findet viele Gründe, dankbar zu sein. Er entdeckt unverdiente Gaben Gottes in seinem Leben und freut sich sehr an ihnen. In einer Präfation für die Wochentage heißt es: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und deine Größe zu preisen. Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus

Oktober 2019

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Pater Elmar Pitterle SVD

Magister der Theologie, war 25 Jahre als Missionar in Chile im Einsatz. Jetzt tätig als Pfarrer und seelsorglicher Begleiter. Mitarbeiter der ,,Gesprächsinsel“ Wien

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