Ratgeber - Theologischer Experte

Beerdigen oder einäschern?

Welche Art der Bestattung ist für Christen vorzuziehen: Erd- oder Feuerbestattung? Gibt es von der Kirche eindeutige Empfehlungen?

Beide Arten der Bestattung sind kirchlich erlaubt. Die Feuerbestattung war Katholiken lange Zeit ausdrücklich verboten, wurde sie doch oftmals besonders durch kirchenferne Kreise (etwa Freimaurer) gefördert als Ausdruck des Unglaubens und Leugnung der Auferstehung. Heute hat sich die Situation verändert. Im kirchlichen Gesetzbuch heißt es dazu: „Nachdrücklich empfiehlt die Kirche, dass die fromme Gewohnheit beibehalten wird, den Leichnam der Verstorbenen zu beerdigen; sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen.“

Die Empfehlung der Kirche beruht auf einem Vorbild: So wie Christus ins Grab gelegt wurde, so legen wir unsere Verstorbenen in die Erde. Der Auferstehungsglaube jedoch wird weder durch die Erd- noch durch die Feuerbestattung berührt. An die Auferstehung glauben heißt zu glauben, dass Gott den Menschen neu schafft mit einem neuen Leib. Gott ist nicht angewiesen auf natürliche Materie, die etwa noch vorhanden wäre, sondern Gott schafft in der Kraft des Geistes diesen neuen Menschen. Paulus drückt das so aus: „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib“ (1 Kor 15,44). Die Frage nach dem „Wie“ ist für ihn nichts anderes als eine „törichte Frage“ (Vers 36). 

Die Zunahme der Feuerbestattung hat auch mit der Überalterung unserer Gesellschaft zu tun. Oft sind keine Nachkommen in der Nähe (oder überhaupt nicht da), die sich um die Gräber kümmern könnten. Auch finanzielle Gründe können für eine Feuerbestattung sprechen. Elemente einer christlichen Grabkultur sollten sein: ein Name, ein Ort, und wenn es nur eine Grabplatte „auf der grünen Wiese“ ist. Sie sind Zeichen dafür, dass die Verstorbenen nach wie vor einen Namen und einen „Platz“ bei Gott haben. Auch für den Trauerprozess kann es sehr hilfreich sein, wenn es einen Ort gibt, wo man trauern kann. Eine anonyme Bestattung, z. B. in Form der Ausstreuung der Asche, ist einer christlichen Grabkultur eher fremd. Welche Form auch immer, das ewige Leben bei Gott ist davon völlig unabhängig. 

Februar 2014

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Magister der Theologie, war die letzten Jahre als Kaplan in Wien tätig, derzeit in der Bibelpastoral und als seelsorglicher Begleiter

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