Ratgeber - Theologie

Darf man Muslime missionieren?

Immer mehr Andersgläubige, vor allen Dingen Muslime, kommen in unser Land. Wieweit hat man das Recht, einem Menschen unsere Lehre bekannt zu machen, wieweit muss man seine Religion respektieren, die für ihn ja die „richtige“ ist?

Der heilige Papst Johannes Paul II. hat zu dieser Frage in seiner ersten Enzyklika „Der Erlöser des Menschen, Jesus Christus“ (lat. Redemptor Hominis, abgekürzt RH) aus dem Jahre 1979 sehr deutlich Stellung bezogen: „Die missionarische Verhaltensweise beginnt immer mit einem Gefühl der Hochachtung vor dem, was ‚in jedem Menschen ist‘, es handelt sich um die Achtung vor allem, was der Geist in ihm gewirkt hat, der ‚weht, wo er will‘ “(RH 12). 

Ausgangspunkt aller missionarischen Tätigkeit ist also immer der Respekt vor der Glaubensüberzeugung des anderen, auch vor seinem Atheismus. Dieser Respekt zeigt sich auch darin, dass man sich aufrichtig bemüht, die Position des anderen zu verstehen. Im Falle von Muslimen ist es durchaus hilfreich, wenn man wenigstens etwas im Koran gelesen hat. Erst wenn diese Grundbedingungen sichergestellt sind, kann das Evangelium zur Sprache gebracht werden in einer Weise, die die Freiheit des anderen voll respektiert.

Aber gerade diese Freiheit, verstanden auch und gerade als Religionsfreiheit, verlangt nach der Möglichkeit, seinen eigenen Glauben vor anderen zur Sprache zu bringen mit dem Ziel, den anderen von der Glaubwürdigkeit der Botschaft zu überzeugen. Hier ist ganz entscheidend, dass nur lautere Mittel angewandt werden. Ein unlauteres Mittel ist zum Beispiel die Drohung mit der Hölle. Aber genauso verwerflich ist, einen Glaubenswechsel mit der Drohung der Todesstrafe zu belegen. Hier müsste der Islam sich an das Koranwort halten: „Es gibt keinen Zwang in der Religion“ (Sure 2, 256). 

Papst Franziskus sagt in seinem Lehrschreiben Evangelii Gaudium: „Die Christen haben die Pflicht, es (das Evangelium) ausnahmslos allen zu verkünden, nicht wie jemand, der eine neue Verpflichtung auferlegt, sondern wie jemand, der eine Freude teilt, einen schönen Horizont aufzeigt, ein erstrebenswertes Festmahl anbietet. Die Kirche wächst nicht durch Prosyletismus (Bekehrung durch Bereden und psychischen Druck), sondern durch Anziehung“ (EG 14).  

Wir haben das Recht und die Pflicht, den christlichen Glauben zur Sprache zu bringen in Respekt vor seiner Überzeugung. Aber im Wesentlichen geschieht Mission durch „Anziehung“, das heißt einem echten christlichen Leben, dessen Erkennungsmerkmal immer die Liebe ist. Wie ein Mensch sich dann letztlich entscheidet, muss das Geheimnis des Zusammenspiels seiner menschlichen Freiheit und des göttlichen Gnadenhandelns bleiben.

Februar 2016

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