Ratgeber - Theologie

Ist Weihnachten nur Geschäftemacherei?

Meine Nachbarin nimmt über die Festtage Reißaus nach Mallorca. „Nur Geschäftemacherei und Hektik“, sagt sie über die Weihnachtszeit hier. Jetzt denke ich nach und frage mich, warum ich mich als Christ auf Weihnachten freue.

ich freuen auf Weihnachten – für Christen wird das auf die eine oder andere Weise immer wieder mit jener „großen Freude“ zu tun haben, die den Hirten auf den Fluren Betlehems verkündet wurde: „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“ (Lk 2,10). 

Jedoch: Weihnachten gibt es nicht ohne Advent. Der soll bewusst eine Zeit der Besinnung, des Nachdenkens, der Umkehr sein. Muss ich mir unbedingt die „Stille Nacht“ schon im November um die Ohren klingeln lassen und alle Weihnachtsspekulatius schon seit dem Herbst im Haus haben? Wer sich einfach nur dem vorweihnachtlichen Getriebe überlässt, dem bleibt dann eventuell wirklich nur die Flucht nach Mallorca, um dann zu sehen, dass er dort vor die gleiche Entscheidung gestellt ist. 

Das Typische der „großen Freude“, von der die Engel sprechen, ist, dass sie „allem Volk“ zuteil werden soll. Gerade an Weihnachten kommen viele Menschen zur Kirche, die sonst mit der Kirche nicht viel zu tun haben und selten einen Gottesdienst besuchen. Mancher „regelmäßige“ Kirchgänger ärgert sich dann, weil er nur schwer einen Platz in der Kirche findet. Für mich überwiegt die Freude darüber, dass diese Menschen an Weihnachten in der Kirche sind: Das ist doch eine Gelegenheit, ihnen etwas mitzugeben! 

Die Freude der Engel ist eben nie eine exklusive Freude nur für bestimmte Menschen, sondern sie soll „allem Volk“ zuteil werden, gerade auch denen, die sonst mit dieser Bot- schaft nicht allzuviel zu tun haben. So sehr Weihnachten für viele ein Familienfest ist, Weihnachten ist immer ein Fest der Inklusion: Selbst im kleinsten Kreis müssen – wie auch immer – auch die einen Platz haben, die sich an diesem Fest nicht so leicht freuen können. 

In diesem Jahr werden es sicherlich die vielen Flüchtlinge sein, die sich in den letzten Monaten nach Europa auf den Weg gemacht haben. Und nicht zuletzt die großen Spenden- aktionen der Kirchen weiten immer wieder den Blick über den Tellerrand hinaus. Exklusiv, nur „unter uns“ ist Weihnachtsfreude nicht zu haben. Wo das einmal klar ist: „inklusiv, nicht exklusiv“, da haben auch die vielen größeren und kleineren Freuden an Weihnachten ihren Platz: zuhause, auf Mallorca oder sonstwo.

Dezember 2015

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