Ratgeber - Theologie

Maria taugt nicht für kriegerische Bilder

In einem alten Kirchenlied wird Maria mit Judith verglichen. Aber Judith ist doch eine sehr kriegerische Frau. Wie kann sie ein Bild für Maria sein? Und wie soll man Maria überhaupt verehren?

Die Frage bezieht sich auf eine Strophe in einem alten Marienlied mit dem Titel „Die Schönste von allen, von fürstlichem Stand …“, wo die Rede ist von Maria als „ein’ and’re Judith“. Dieses Lied befindet sich nicht im neuen Gotteslob. In diesem Lied ist der alte Vergleich „Maria – Eva“ ersetzt durch „Maria – Judith“. Der verbindende Gedanke: Maria zertritt den Kopf der Schlange, Judith schlägt dem König Holofernes, der dabei ist, das Volk Israel zu unterjochen und auszulöschen, den Kopf ab. Beide Frauen retten ihr Volk: Judith das jüdische Volk, Maria das neue Gottesvolk durch ihr Ja zu Gottes Willen.

Man spürt sofort, dass hier etwas gewaltsam zusammengebracht wird, was nur schwerlich zusammenzubringen ist. Die Ursprünge des Vergleiches sind nicht ganz klar. Vielleicht spielte das mittelalterliche christliche Rittertum eine Rolle. Auch bestimmte Mariendarstellungen, vor allen Dingen in der Barockzeit, wo das apokalyptische Motiv der Frau „zu ihren Füßen der Mond“ (Offb 12,1) mit dem türkischen Halbmond assoziiert wurde, spielten hier hinein. 

In dieser Zeit sah sich Europa immer wieder durch die Osmanen/Türken bedroht. Maria wurde hier als die Siegerin über die Feinde gesehen, wurden doch die Siege über die Türken oftmals mit Gebeten zu Maria verbunden. Das Rosenkranzfest (7. Oktober) verdankt so einem Umstand seine Entstehung, ebenso Kirchentitel wie „Muttergottes vom Sieg“ oder Siegessäulen mit einer Marienstatue.

Ein solch aggressives Bild für Maria, wie es dann in der „neuen Judith“ dargestellt wurde, entspricht sicherlich nicht einer gesunden biblisch fundierten Marienfrömmigkeit. In keinem der Marienlieder im Gotteslob wird dieser Vergleich gezogen. Dabei sollte man es belassen. Kriterien für eine angemessene Marienfrömmigkeit bietet Therese von Lisieux*. Diese sagt gegen Ende ihres Lebens: Sollte sie einmal über Maria predigen, dann würde sie als Erstes sagen, wie wenig wir von ihr wissen und dass wir auf alle erdachten Geschichten verzichten sollten. Der Festinhalt von Mariä Opferung (21.11.) ist so eine „erdachte Geschichte“.

Auch richtet sich Therese von Lisieux gegen jene Frömmigkeitsrichtungen, die Maria eine Vorausschau aller kommenden Dinge zuschreiben. „Damit mir eine Predigt über die Heilige Jungfrau gefällt und nützt, muss ich ihr Leben vor mir sehen, wie es wirklich war, aber nicht ein erdachtes Leben. Und ich bin überzeugt, dass ihr wirkliches Leben ganz einfach gewesen sein muss“, vor allen Dingen, „dass sie aus dem Glauben lebte wie wir“. Damit hat man einen einfachen, aber zugleich eindeutigen Leitfaden für eine gläubig gesunde Marienverehrung.

*Ich gehe ins Leben ein – Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux, Theresienwerk e.V., Augsburg 1982, S.177f. 

Oktober 2015

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