Ratgeber - Theologischer Experte

Warum keine Kelchkommunion?

Mich beschäftigt die Form, wie die Kommunion bei uns abläuft. Es heißt doch: Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist ja ein starkes Zeichen der Einheit der Gemeinde. Aber wir tun es nicht! Seit wann ist die Kelchkommunion nicht mehr üblich? Und müssten wir nicht Formen finden, wie wir dieses Zeichen der Einheit ausdrücken können?

Gleich zu Ihrer letzten Frage: ganz unbedingt! Denn die Kommunion unter beiderlei Gestalten ist die Vollform. Der Mahlcharakter der Eucharistiefeier tritt so deutlicher hervor. Der Wein ist Symbol für das Blut Christi und im biblischen Sinn das Zeichen des Neuen Bundes. Und wegen des Becherwortes Jesu: „Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt“, verweist der Kelch im besonderen Sinn auf das Mahl der Vollendung. Schließlich verweisen Sie mit Recht auf den ausdrücklichen doppelten Auftrag Jesu: „Nehmt und esst alle davon. Nehmt und trinkt alle daraus.“

Die Schwierigkeiten mit der Kelchkommunion sind rein praktischer Natur. Ganz abgesehen davon, dass sich der Wein leichter verschütten lässt, was aus Gründen der Ehrfurcht jedenfalls bedauerlich wäre, wird die Kelchkommunion umso schwieriger, je größer die Zahl der Kommunikanten wird. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass streng genommen nur zwei Formen der Kelchkommunion erlaubt sind: das Trinken aus dem von einem Kommunionspender dargereichten Kelch und das Eintauchen der zur Mundkommunion dargereichten Hostie durch den Kommunionspender in den Wein. Meines Erachtens wäre die praktikabelste, würdigste, zeichenhafteste (und hygienischste) Form das Herantreten der Gläubigen an den Altar, um aus einem oder mehreren Kelchen zu trinken.

Zur Geschichte nur so viel: Die Kelchkommunion von Laien kam in der Westkirche schon in der Antike immer stärker außer Gebrauch und wurde im Mittelalter streng vermieden. Auf Jan Hus, der die Kommunionspendung unter beiderlei Gestalten zur Verpflichtung erhob, reagierte die Kirche 1415 im Konzil von Konstanz, indem sie den „Laien­kelch“ zwar nicht verbot, wohl aber die grundsätzliche Verwerfung der gängigen Praxis von der Kommu­nion unter bloß einer Gestalt. So wurde (bis zur Liturgiereform) der Laienkelch zum unterscheidenden Merkmal zwischen Protestanten und Katholiken.

Oktober 2018

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Magister der Theologie, war die letzten Jahre als Kaplan in Wien tätig, derzeit in der Bibelpastoral und als seelsorglicher Begleiter

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