Ratgeber - Theologischer Experte

Werden Christen wiedergeboren?

Reinkarnation, die Lehre von der Wiedergeburt: Ist das eigentlich mit dem Christentum vereinbar?

Nein! Für Christen gibt es nur eine Wiedergeburt: die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, wie sie im Sakrament der Taufe (und Firmung) geschieht. Diese Wiedergeburt will in einem Leben in der Nachfolge Jesu in ständiger Wiedergeburt als Bekehrung verwirklicht werden. In diesem Prozess kann es besondere Erfahrungen, Einschnitte geben, in denen die Wiedergeburt aufs Neue bewusst erfahren wird. Die Wiedergeburtsvorstellungen der östlichen Religionen, vor allen Dingen im Hinduismus und Buddhismus, haben alle auf die eine oder andere Weise mit Karma-Vorstellungen zu tun: Karma als überpersönliche Schuld aus vorherigem Leben, „negative Energie“, die der Mensch auf die eine oder andere Weise abbüßen muss und für die ein Leben nicht genug ist. Das Ziel ist hier, durch entsprechend gutes Verhalten auf Dauer dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen und so ins Paradies einzugehen. 

Die gängigen westlichen Wiedergeburtsvorstellungen haben eine andere Richtung: Sie möchten in den Wiedergeburtsprozess hineinkommen. Karma kommt hier höchstens vor in der Vorstellung der vielen Lebensmöglichkeiten, die das Leben in westlichen Gesellschaften im allgemeinen bietet und die doch gar nicht in einem Leben verwirklicht werden können; Karma also als ungelebtes Leben. Eine Wiedergeburtslehre bietet die Möglichkeit, die Aspekte seines Lebens, die in einem ersten konkreten zeitlich begrenzten Leben nicht zum Zuge kamen, doch noch zu verwirklichen. 

Christliches Denken geht in eine andere Richtung: Aus der Einmaligkeit des Lebens und Sterbens Jesu wird die Einmaligkeit des christlichen Lebens und Sterbens gefolgert. „Einmal“ hat Christus sein Leben hingegeben und für alle Menschen das Heil gewirkt. So ist auch dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben und durch das Gericht in das ewige Leben einzugehen (Heb 9,26–28). In der christlichen Sicht der Dinge bekommt das einmalige Leben seine unersetzbare Bedeutung: Hier und jetzt „wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt“, wie es in einem Lied treffend ausgedrückt ist. Die große Gefahr von Wiedergeburtsvorstellungen: Das einmalige Leben in seinem „hier und jetzt“ verliert so seine Bedeutung; „später“ ist ja immer noch möglich.

Worauf es ankommt, ist das Vertrauen, dass Gott aus den Fragmenten unseres Lebens ein vollendetes Ganzes macht. Die letzte Vollendung seines Lebens darf der Christ getrost Gott überlassen.

April 2015

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Magister der Theologie, war die letzten Jahre als Kaplan in Wien tätig, derzeit in der Bibelpastoral und als seelsorglicher Begleiter

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